Showdown in Schokobraun

Schokobraune Labradore! Das sind Fiete die liebsten. Er ist sicher kein Rassist, aber unter den Top 3 seiner Wunschgegner rangieren sie ganz oben. Auf dem letzten Spaziergang laufen wir direkt in einen wunderschönen Labbi-Rüden rein. Breite Brust, stolzer Gang, die Rute hoch getragen. Fiete zeigt schon von weitem an, was er von ihm hält. Die Ärmel seiner Lederjacke sind hochgekrempelt, das Brusthaar in Form gebracht. So gockeln wir den anderen auf dem engen Weg entgegen.

Zwei im gleichen Club

Mit jedem Meter, den wir auf sie zu laufen, geht mein Puls hoch. Beide Hunde meinen es Ernst, da gibt es keinen Zweifel. Mein Kopfkino springt an und ich fasse die Leine kürzer. Fiete sieht meine Anspannung als Solidarisierung und pumpt sich noch 2 Zentimeter mehr auf. Doch der andere Halter ist gut vorbereitet und schließt seine Hand geübt um die Leine. Er scheint seine Erfahrung mit seinem Hund zu haben. Als wir unsere grummelnden Rüden aneinander vorbei bugsieren, lächeln wir uns wissend an. Wir spielen im gleichen Club.

Woran liegt es, dass Hundebegegnungen an der Leine so ein Problem sind? Jeden Tag laufen sich tausende Hunde über den Weg. Bei den einen geht es gut, bei den anderen ist es Tag für Tag ätzend. Man müsste meinen, sie gewöhnen sich daran, doch bei den wenigstens nimmt es im Laufe der Zeit ab. Ganz im Gegenteil./

Direkt rein ins Verderben

Es klingt banal, doch das direkte Aufeinander-zu-gehen ist meist das größte Problem. Frontal, fixierend, keiner weicht dem anderen aus. Wie auch, wenn der Mensch noch dran hängt und die Leine kurz hält. Im Verhaltenskatalog des Hundes wird so eine direkte Kampfaufforderung beschrieben. Eine Provokation wie aus dem Bilderbuch. Wer keinen Ärger möchte, würde jetzt abdrehen oder zumindest den Blick rausnehmen. Geht aber nicht, wenn der Mensch seinen Weg fortsetzt und die Leine noch kürzer zieht. Direkt rein ins Verderben, könnte man als Überschrift nehmen.

Und egal, welcher Hund nun anfängt oder nicht, am Ende haben beide Seiten Erfolg. Der pöbelnde Proll hat seinen Gegner verjagt. Das unsichere Opfer hat sich behauptet und den Mopp vertrieben. Am Ende ist der andere Hund immer weg. Das hält das Verhalten aufrecht. Never change a running system. Vielleicht sollte man den anderen Menschen samt Hund mal nach Hause zum Kaffee einladen. Es könnte für den eigenen Hund heilsam sein, wenn das Problem vermeintlich zuhause einzieht.

Mit Fiete habe ich einen Kompromiss ausgehandelt. In die Leine springen oder bellen ist nicht erlaubt, aber posen und aufpumpen geht. Wenn ich aber auch darauf mal keine Lust habe, laufen wir einen Bogen um die anderen. Das Leben darf auch einfach sein.